Warum Deutsch die Zeit nicht immer zurückschiebt: Was indirekte Rede wirklich verändert
Konjunktiv I, Zeitbezug und die Frage, wem eine Aussage eigentlich gehört Von Tymur Levitin — Language Thinking Laboratory „Wer eine fremde Aussage wiedergibt, verschiebt nicht unbedingt die Zeit. Manchmal verschiebt er nur die Verantwortung für die Aussage.“ — Tymur Levitin Eine Frau sagt am Montag: „Ich komme morgen.“ Am Donnerstag berichtet jemand über dieses Gespräch: Sie sagte, sie werde am nächsten Tag kommen. Der Donnerstag ist inzwischen da. Der angekündigte Dienstag liegt bereits in der Vergangenheit. Trotzdem steht in der indirekten Rede: sie werde kommen. Warum? Warum verwandelt das Deutsche die Ankündigung nicht automatisch in eine Vergangenheitsform? Und warum kann ein deutscher Satz etwas anderes hervorheben als ein englischer Satz, obwohl beide dieselbe ursprüngliche Äußerung wiedergeben? Die Antwort führt zu einer Unterscheidung, die in vielen Grammatikübungen zu kurz kommt: Die Zeit eines Ereignisses und die Herkunft einer Aussage sind zwei verschiedene Informationen. ...